Ist ein schwarzer Anzug typische Berufskleidung?

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Diese Frage gepaart mit der Frage ob man die Kosten für Kleidung, die man lediglich für den Job benötigt wie z.B. Anzüge, Hemden, Blusen, Krawatten und Business-Schuhe, nicht auch steuerlich geltend machen könne hören wir jährlich mehrmals. Doch die Antwort lautet ernüchternd immer wieder: nein, diese Kosten sind leider nicht im Rahmen der jährlichen Einkommensteuererklärung oder im Jahresabschluss steuerlich absetzbar.

Wie das Finanzgericht Berlin-Brandenburg nun abermals bestätigt hat, sind ein schwarzer Anzug, schwarze Blusen und schwarze Schuhe, die sich in keiner Weise von dem unterscheiden, was weite Teile der Bevölkerung als festliche Kleidung zu besonderen Anlässen tragen, keine typische Berufskleidung. Die Kosten für die Anschaffung, Änderung, Reparatur und auch Reinigung dieser Kleidung sind daher nicht als Werbungskosten oder Betriebsausgaben abziehbar.

Diese Einschätzung soll nunmehr für alle Berufe gelten, mithin auch – und insoweit entgegen der Rechtsprechung des Bundesfinanzhofs aus den 1970er und 1980er Jahren – für bestimmte Berufsgruppen wie Leichenbestatter, katholische Geistliche und Oberkellner. Mit dieser Entscheidung des Finanzgerichtes wollen sich die Steuerpflichtigen (selbstständige Trauerredner und Trauerbegleiter) aber noch nicht zufrieden geben und haben Revision eingelegt.

Übrigens kommt es auf den Umfang und die Ermittlung bzw. den Nachweis einer konkreten Privatnutzung der Kleidung nicht an. Es wäre, so das Finanzgericht außerdem völlig unklar, wo die Grenze einer „untergeordneten” privaten Mitbenutzung liegen sollte (den schwarzen Anzug einmal in drei Jahren privat genutzt? einmal pro Jahr? einmal pro Quartal? einmal pro Monat?).

WICHTIG: Ob der Bundesfinanzhof seine vorgenannte Rechtsprechung aus den 1970er und 1980er Jahren in der Revision aufgibt und/oder für neue Abgrenzungsaspekte sorgt, bleibt abzuwarten. Vermutlich dürfte das Thema „typische Berufskleidung“ aber weiter streitanfällig bleiben und auch bei uns weiterhin jährlich nachgefragt werden.


Quelle: FG Berlin-Brandenburg, Urteil vom 29.8.2018, Az. 3 K 3278/15, Rev. BFH Az. VIII R 33/18

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